INKE RONNACKER - FARBSTROEMUNG
INKE RONNACKER - FARBSTROEMUNG

FOTOGRAFIE

 In der Fotografie ist meine Wahrnehmung übewiegend von eher malerischen Gesetzmäßigkeiten geprägt. Das Foto ist, wie bei der abstrakten Malerei kein unmittelbares Abbild der von mir erlebten Wirklichkeit, sondern beinhaltet den Versuch, über das rein Visuelle hinauszugehen, um auch hier in der Abstraktion eher eine Versinnbildlichung zu schaffen, einen dynamischen Prozeß zu verdeutlichen, statt einen statischen, unveränderten Zustand wiederzugeben.

 

 

Es gibt sicherlich viele verschieden Sichtweisen, wenn man den Auslöser der Kamera betätigt. Mein fotografisches Sehen richtet sich überwiegend auf Strukturen, Lichteinwirkung und Farben, auf ein besonderes Ordnungsprinzip der Natur, das immer vollständig und richtig ist. Dies hat etwas Eigenständiges und Losgelöstes, das keine Fragen offen lässt und immer eine ganzheitlichen Blick auf die Natur oder die unmittelbare Umgebung zulässt.

 

Die Kamera schenkt mir einen Raum und einen Ausschnitt. Dieser bedeutet für mich den Widerhall eines Geheimnisvollen, Unbegreiflichen, vielleicht sogar eines nicht abbildbaren Schönen. Zart, schützenswert, alt und neu zugleich, gewachsen, entstehend und vergehend. Die Kamera mit ihrer ausschnitthaften Wiedergabe ermöglicht mir einen Bewusstwerdungsprozess, der in starkem Widerspruch zur Zerstörung unserer  Natur steht und  zu Nichtanerkennung einer  übergeordneten kosmischen Ordnung.

Zerstören wir unsere Natur als Inbegriff eines göttlichen Prinzips, zerstören wir uns selbst. Die Menschheit scheint immer noch hin- und her zu pendeln, zwischen den Dingen, die wissenschaftlich herleitbar, trotzdem aber nur subjektiv erfahrbar sind.

Ich fotografiere und male, was ich zuvor verinnerlicht habe, insofern sind meine Malerei und meine Fotografie eine Umwandlung dieses Prozesses, versuchsweise darauf ausgerichtet, das Geheimnis hinter den Dingen zu visualisieren, sofern mir als Fotokünstlerin es jemals gelingen wird, dies begreifbar und sichtbar zu machen. 

 

Die  Fotografie ist für mich zugleich sinnliches und sinnhaftes Erleben.

Abstraktion und Reduktion sind für mich dabei wichtige Stilmittel. Sie ermöglichen es, die Wahrnehmung einer festgelegten, bestimmten Bedeutung zu entheben, die dann erst durch den Betrachter neu erschaffen werden kann.     

 

Inke Ronnacker

 

" ...das mechanische Generieren einer Wahrnehmung ist zwar ein Hindernis, 

   aber innerhalb des Prozesses, mit dem wir eine Wahrnehmung kreieren, 

   können wir kreativ sein. Indem Sie sich auf der Basis neurowissenschaftlicher

   Erkenntnisse bewusst mit Ihrer Wahrnehmung auseinandersetzen, können Sie

   in Ihrem Denken und Verhalten neue Möglichkeiten entdecken, auf die

   Sie ansonsten keinen Zugriff hätten."

 

   Beau Lotto